Anonyma – Eine Frau in Berlin
Der Untertitel des Buches ist Tagebuchaufzeichnungen vom 20. April bis 22. Juni 1945 und sagt eigentlich fast alles. Es beginnt mit den letzten Tagen des Bombenkrieges und den Einmarsch der Sowjets und den ersten Erfahrungen und die ersten Tage nach Ende des Krieges aus Sicht einer etwa 30-jährigen, gebildeten Frau. Es zeigt ihren Hunger, ihr Elend, ihre Gedanken und ganz allgemeinen die Lebensumstände zur damaligen Zeit die sich nahezu jeden Tag veränderten. Ungewiss was am nächsten Tag passiert.
Anders als bei Anne Frank handelt es sich nicht wirklich um ein Tagebuch, sondern aus eine auf den damaligen Aufzeichnungen basierende Niederschrift. Für mich wirkte das Buch daher eher wie ein Roman sehr wohl ausformuliert und bei manchen Passagen stellt man sich immer wieder die Frage ob sie nicht spätere Gedanken aufgegriffen haben. Ebenfalls sehr ungewöhnlich für ein Tagebuch, dass nahezu alle Gefühlsbekundungen fehlen, wwobei ich mich oft gefragt habe ob das der damaligen Zeit geschuldet oder einfach der “Selbstzensur” der Autorin geschuldet ist. Andererseits gewinnt das Buch dadurch eine große Sachlichkeit die den Leser in ein Berlin zurückbringt, welches erst seit 61 Jahren Geschichte ist für uns Kinder der Neuzeit aber unendlich weit entfernt scheint, und so die Geschichte zumindest ein ganz klein wenig erlebbar macht.

